Sehr geehrter Herr Minister Wiederkehr,
Uns, dem Hrvatski akademski klub/ Kroatischen akademischen Klub ist es ein Anliegen, die möglichen Kürzungen der Stunden bei den Fächern Latein und den zweiten lebenden Fremdsprachen wie unter anderem BKMS (Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch, Serbisch) zu kommentieren.
Was ist uns hier wichtig? Wir sind eine der vertretenden Organisationen der kroatischen Volksgruppe in Österreich und haben als akademischer Verein die große Befürchtung, dass die Kürzung des Unterrichts von BKMS in der Oberstufe für ein ohnehin wackeliges Fundament unseres Vereins und im Größeren des Erhalts und der Weiterentwicklung der kroatischen Volksgruppe schädlich, vielleicht sogar tödlich sein könnte.
Wir sind der festen Überzeugung, dass für eine lebendige Volksgruppe ein ausreichend hohes sprachliches Fundament und ein Selbstbewusstsein in den eigenen sprachlichen Kompetenzen gegeben sein muss. Wir sind auch fest davon überzeugt, dass die Sprachen der Volksgruppen nur nachhaltig geschützt werden können, wenn man diese im institutionellen Kontext erlebt. Hierzu sei schließlich gesagt, dass Kroatisch im Burgenland eine Amtssprache ist.
Was halten wir also von der jetzigen Situation? Wir verstehen als Verein mit vielen jungen Mitgliedern sehr wohl das Bedürfnis, veraltete Strukturen zu reformieren und im besten Fall zu verbessern. Dennoch holt uns der Gedanke immer wieder ein, dass die Volksgruppenpolitik im großen Geschehen einer möglichen Bildungsreform vergessen wurde. Wir glauben daher, dass es auf jeden Fall ein Umdenken bezüglich der Volksgruppensprachen als Unterrichtssprachen braucht.
Für viele sind Volksgruppensprachen keine Fremdsprachen! Sie sind ein Teil Österreichs und sollten in der Lehrplangestaltung so behandelt werden.
Dazu gehören auch die 121 Schüler*innen im Burgenland, welche Kroatisch als Wahlpflichtfach im Rahmen der “zweiten lebenden Fremdsprache” in den AHS lernen, ohne dabei in das Zweisprachige Bundesgymnasium in Oberwart zu gehen oder Kroatisch als Freifach in der Oberstufe zu lernen. Noch ist die Volksgruppensprache Kroatisch für diese 121 Schüler*innen, aber auch für einige Schüler*innen in den BHS, im Alltag präsent. Im Gegensatz zu den angedachten Kürzungen des Sprachunterrichts sollte also viel mehr ein Ausbau des Unterrichts in Volksgruppensprachen diese Lebensrealität widerspiegeln und den Sprachenerhalt bei den Volksgruppen fördern.
Wir fordern dringlichst eine Lösung, die es jungen Menschen in historischen Siedlungsgebieten, aber auch wichtigen Ballungsräumen und darüber hinaus ermöglicht, ihre sprachlichen Fähigkeiten in den Volksgruppensprachen zu stärken. Wir bitten Sie, uns zu helfen, die Volksgruppen Österreichs zu bewahren.
Srdačan pozdrav/ Mit freundlichen Grüßen,
Hrvatski akademski klub.




